Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Band 1-7) by Marcel Proust

By Marcel Proust

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De eISBN 978-3-518-74260-0 UNTERWEGS ZU SWANN Für Monsieur Gaston Calmette. Zum Zeugnis für tiefe und herzliche Dankbarkeit. 1 Manchmal, die Kerze war kaum gelöscht, fielen mir die Augen so rasch zu, daß keine Zeit blieb, mir zu sagen: Ich schlafe ein. Und eine halbe Stunde später weckte mich der Gedanke, daß es Zeit sei, den Schlaf zu suchen; ich wollte das Buch fortlegen, das ich noch in Händen zu halten wähnte, und das Licht ausblasen; im Schlaf hatte ich weiter über das eben Gelesene nachgedacht, dieses Nachdenken aber hatte eine eigentümliche Wendung genommen: mir war, als sei ich selbst es, wovon das Buch sprach – eine Kirche, ein Quartett, die Rivalität zwischen Franz i.

Mein Körper, der in dem ihren meine eigene Wärme spürte, wollte sich damit vereinen, ich wachte auf. Die übrige Menschheit erschien mir weit in die Ferne gerückt im Vergleich zu dieser Frau, die ich vor Sekunden erst verlassen hatte; meine Wange glühte noch von ihrem Kuß, mein Körper war wie zerschlagen von der Last ihrer Gestalt. Wenn sie, wie es bisweilen vorkam, die Züge einer Frau trug, die ich im Leben getroffen hatte, gab ich mich ganz dem einen Ziel hin: sie wiederzufinden, wie jene, die sich auf eine Reise begeben, um mit eigenen Augen die Stadt ihrer Sehnsucht zu schauen, und sich einbilden, man könne irgendwo in der Wirklichkeit den Zauber des Traums erleben.

Gottlob, schon Morgen! Gleich wird das Hauspersonal auf sein, wird er schellen können, wird man ihm Hilfe bringen. Das Hoffen auf Erleichterung gibt ihm Mut zu leiden. Hat er nicht eben Schritte gehört? Die Schritte kommen näher, entfernen sich wieder. Und der Lichtstreifen unter der Tür ist verschwunden. Es ist Mitternacht; man hat soeben das Gaslicht gelöscht; der letzte Dienstbote ist fort, und nun gilt es, unabänderlich die ganze Nacht hindurch zu leiden. Ich schlief wieder ein und wachte dann manchmal nur noch für Augenblicke auf, gerade lang genug, um das organische Knacken der Täfelung zu vernehmen, die Augen zu öffnen und auf das Kaleidoskop der Dunkelheit zu richten, dank einem kurzen Aufschimmern des Bewußtseins den Schlaf zu kosten, in den die Möbel versunken waren, das Zimmer, dies Ganze, von dem ich nur ein kleiner Teil war und in dessen Fühllosigkeit ich gleich wieder einging.

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