Ehen in Philippsburg by Martin Walser

By Martin Walser

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Hans war schon eine Stunde früher da und legte sich einen Vorrat brauchbarer Redensarten an. Er wollte nicht um Marga werben, er wollte ihr nicht sagen: ich finde Sie schön oder gut oder reizend oder sonst etwas, das konnte er nicht, aber er wollte sich selbst so benehmen, daß Marga auf ihn aufmerksam werden mußte. Er stellte in seinen Gedanken eine Reihe von Männern auf, die Marga bisher begegnet sein mochten, die sie bisher geliebt hatte, dann studierte er die Merkmale dieser Männer. Wahrscheinlich waren es Journalisten gewesen, drei Journalisten vielleicht: ein Bildreporter, ein festangestellter Redakteur und ein Storyschreiber, dann vielleicht noch ein Referendar, ein Schauspieler und… nein, mehr durften es nicht gewesen sein, sonst konnte er es nicht mehr übersehen, fünf reichten wirklich aus für eine Zweiundzwanzigjährige, wenn sie überhaupt schon so alt war.

Ein Hans Beumann, der zeit seines Lebens zwischen Fakultäten herumirrte; der immer ein Zuschauer war; der jeden bewundern mußte, der eine Hantierung hatte, über die er sich beugen konnte; der jeden beneidete, der seiner Nützlichkeit so sicher war, daß man es ihm noch auf der Straße ansah. Und da fragte Anne noch, ob er es sich auch genau überlegt habe. Sein Geld reichte noch für acht Tage, und von seiner Mutter durfte er nichts mehr nehmen. Eine als Pressedienst getarnte Industriewerbung, na und?

Also wird nur noch das Allermöglichste gedacht. Das Nicht-sofort-Mögliche ist das Unmögliche. Und das Unmögliche zu denken, ist dem Fachmann lächerlich. Natürlich hatte Hans ein schlechtes Gewissen, wenn er auf der Volkmannschen Terrasse saß und dickflüssige kalte Fruchtsäfte trank. Natürlich war ihm die Unterwürfigkeit einer ältlichen Bedienerin peinlich, weil sie ihn an seine Mutter erinnerte oder an eine seiner Tanten. Aber was sollte er tun? Er, das uneheliche Kind einer Bedienung, das im Dorf aufgewachsene, familienlose Einzelkind!

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