Glanz und Elend der Kurtisanen by Honore de Balzac

By Honore de Balzac

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Empfand er Mitleid, Schrecken? Rührte sich sein Erbarmen? Wer ihn gesehen hätte, wie er mit untergeschlagenen Armen dastand, mit sorgenvoller Stirn, mit zusammengekniffenen Lippen und hartem Auge, hätte glauben müssen, er wäre mit finsteren, gehässigen Empfindungen beschäftigt, mit widerspruchsvollen Gedanken, mit unheimlichen Plänen. Auf jeden Fall war er unempfindlich für die hübschen Rundungen einer Brust, die unter der Last des vorgebeugten Oberkörpers fast zermalmt wurde, und für die entzückenden Formen der kauernden Venus, die unter dem schwarzen Unterrock sichtbar waren, so straff war die Sterbende in sich zusammengebrochen; die Hingeschmiegtheit dieses Kopfes, der, von hinten gesehen, dem Blick seinen weißen, weichen und biegsamen Nacken darbot, die schönen Schultern in ihrer kühn enthüllten Nacktheit rührten sich nicht; er hob Esther nicht auf, er schien ihr herzzerreißendes Atmen, das die Rückkehr zum Leben verriet, nicht zu hören: es bedurfte eines grauenhaften Schluchzens und des beängstigenden Blicks, den ihm dies Mädchen zuwarf, damit er sie aufzuheben und zum Bett zu tragen geruhte, was er mit einer Leichtigkeit tat, die eine fabelhafte Kraft offenbarte.

Mein Lieber, Sie haben Ihre Meinung über ihn gar schnell geändert,« erwiderte der mit Recht erstaunte Präfekt. »Gibt es heute noch Meinungen? « »Um den Herrn von Rubempré, den Rastignac als eine Persönlichkeit ausgeben will,« sagte der Deputierte zu dem Generalsekretär. « »Da wird er gleich in das Wespennest der Wüstlinge unserer Zeit hineingeraten,« sagte Rastignac. Die drei Teilnehmer des Gesprächs wandten sich einem Winkel zu, in dem ein paar Schöngeister, mehr oder minder berühmte Leute, und einige elegante Männer standen.

Als der Besucher die Stufen oberhalb der Loge hinaufstieg, bemerkte die Pförtnerin die silbernen Schnallen, die seine Schuhe verzierten; sie glaubte die Fransen des Gürtels einer Soutane zu sehen; sie ging hinunter und fragte den Kutscher, der wortlos Antwort gab; und die Pförtnerin begriff abermals. Der Priester pochte, erhielt keine Antwort, hörte leises Stöhnen und erbrach die Tür mit einem Schulterhub, und zwar mit einer Kraft, wie sie ihm zweifellos die Wohltätigkeit verlieh, die aber bei jedem andern die Gewohnheit verraten hätte.

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